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Kleinbäuer:innen sind entscheidend für die Lösung der Klimakrise

Die Kleinbäuer:innen und Arbeiter:innen der Welt sind bereit, willens und in der Lage, den Klimawandel dort zu bekämpfen, wo es am wichtigsten ist: beim Schutz ihrer Gemeinschaften, bei der Erhaltung ihrer Lebensgrundlagen und bei der Sicherung der Nahrungsmittelversorgung unseres Planeten. Dennoch bleibt die Frage: Sind unsere Politiker bereit, sie gewähren zu lassen?

Sandra Uwera, Global CEO von Fairtrade International, fordert die Mitgliedsstaaten der COP27 auf, endlich zu handeln. Foto: Fairtrade/Alexia Perrotti

Sandra Uwera, Global CEO von Fairtrade International, fordert die Mitgliedsstaaten der Klimakonferenz COP27 auf, endlich zu handeln - im Sinne der Kleinbäuerinnen und -bauern dieser Welt. Foto: Fairtrade/Alexia Perrotti

Von Sandra Uwera, Global CEO, Fairtrade International

Der Badeort Sharm El Sheikh ist in vielerlei Hinsicht eine überzeugende Kulisse für eine globale Klimakonferenz. Am südöstlichen Rand der Sinai-Halbinsel gelegen, grenzt er auf der einen Seite an unberührte Korallenriffe und auf der anderen Seite an trockene Wüste - eine perfekte Erinnerung an das empfindliche Gleichgewicht, das die Ökosysteme unseres Planeten am Leben erhält und was wir durch den Klimawandel zu verlieren drohen.   

Doch der Schauplatz der UN-Klimakonferenz 2022, auch bekannt als COP27, war das Einzige, was in einer ansonsten unauffälligen Angelegenheit hervorstach. Sie war geprägt von der üblichen Parade an Delegierten, einer verstärkten Präsenz von Industrielobbyisten und der wachsenden Gewissheit, dass die im Pariser Abkommen festgelegten Klimaziele nicht erreicht werden. Wenn überhaupt, dann hat die COP27 ein konkretes Ergebnis gebracht: Unser Planet wird im kommenden Jahrzehnt ein viel heisserer Ort sein.  

Existenz der Nahrungsmittelversorgung unseres Planeten ist gefährdet
Als Global CEO einer internationalen Organisation, die sich für Fairness und die Sicherung eines angemessenen Lebensunterhalts für die Kleinbäuer:innen und Arbeiter:innen der Welt einsetzt, ärgert mich das. Als Weltbürgerin macht es mich traurig. Denn wieder einmal werden die schwächsten Gemeinschaften unseres Planeten den unvorhersehbaren Kräften des Klimawandels ausgeliefert sein. Extreme Temperaturen. Verheerende Dürreperioden. Katastrophale Wirbelstürme. Überwältigende Regengüsse. Das ist die Zukunft, der Kleinbäuer:innen und Arbeiter:innen jetzt entgegensehen. Und es ist eine Zukunft, die die Existenz der Nahrungsmittelversorgung unseres Planeten gefährdet.  

Aber so muss es nicht sein. Dies war die Botschaft, die die Fairtrade-Delegation im Namen von fast 2 Millionen Kleinbäuer:innen und Arbeiter:innen aus der ganzen Welt zur COP27 brachte. Und es war eine Botschaft, die wir Regierungsvertreter:innen und Interessensvertreter:innen des Privatsektors mit Nachdruck überbrachten: Die führenden Politiker:innen der Welt müssen die entscheidende Rolle der Kleinbäuer:innen bei der Bekämpfung des Klimawandels anerkennen. 

Die Bedürfnisse der Kleinbäuer:innen und Arbeiter:innen bei den Klimafinanzierungsmechanismen müssen berücksichtigt werden
Kleinbäuer:innen und Arbeiter:innen stehen nicht nur an vorderster Front der Klimakrise, sondern sie verfügen auch über das nötige Fachwissen, um sie direkt anzugehen. Ihre Rolle bei der Bekämpfung des Klimawandels ist jedoch mit finanziellen Kosten verbunden, die auf faire und gerechte Weise in die Marktpreise einfliessen müssen. Es ist klar, dass die Welt ihre Chance verpasst hat, die Auswirkungen des Klimawandels einzudämmen, und dass sich nun alle Anstrengungen auf die Anpassung konzentrieren müssen. Doch die Anpassung an den Klimawandel muss finanziert werden, und niemand weiss besser, welche Anpassungsmassnahmen ergriffen werden müssen, als die Kleinbäuer:innen und Arbeiter:innen selbst. Auf der COP27 haben wir die Staats- und Regierungschefs wiederholt aufgefordert, dafür zu sorgen, dass die Bedürfnisse der Kleinbäuer:innen und Arbeiter:innen bei den Klimafinanzierungsmechanismen berücksichtigt werden, damit die Kleinbäuer:innen und Arbeiter:innen sowie ihre Gemeinden nicht auf der Klimarechnung sitzen bleiben. Diese Botschaft werden wir auch weiterhin wiederholen - heute, morgen und auf der COP28.    

Der Aufruf von Fairtrade auf der COP27 zu Fairness ist jedoch noch nicht zu Ende. Finanzielle Fairness für die Erzeuger:innen muss sich auch auf den Kohlenstoffmarkt erstrecken, damit die Vorteile bei den Bauern, den Arbeitnehmern und ihren Gemeinschaften ankommen. Auf diese Weise können die Kohlenstoffmärkte wirksam zur Förderung gemeinschaftsbasierter Innovationen eingesetzt werden, die den landwirtschaftlichen Gemeinschaften helfen, die verheerenden Auswirkungen des Klimawandels zu bewältigen. Darüber hinaus ist ein fairer Kohlenstoffmarkt, der Kleinbauernfamilien und Waldgemeinschaften unterstützt, von entscheidender Bedeutung, wenn der rasch expandierende Markt für Kohlenstoffkompensationen nicht zu einem globalen Landraub werden soll.  

Schliesslich hat Fairtrade den Marktteilnehmern eine wichtige Botschaft vermittelt: Reduziert eure Emissionen entlang der Lieferkette. Klimamassnahmen können nicht als ganzheitlich betrachtet werden, wenn Appelle zur Emissionsreduzierung ignoriert werden. 

Die Uhr tickt
Der Aufruf von Fairtrade auf der COP27 war laut und deutlich und verdeutlichte die entscheidende Rolle, die die Kleinbäuer:innen der Welt bei der Lösung der existenziellen Krise des Klimawandels spielen. Wie der Fairtrade-Kokosnussproduzent Pablito Aquino, der drei grosse Taifune auf den Philippinen überlebte, auf der COP27 erklärte: "Wir Produzenten sind entschlossen, diese Klimakrise zu bekämpfen!" Dieser Aufruf wird jedoch ungehört verhallen, wenn sich die Regierungen nicht dringend zu echten Emissionssenkungen verpflichten, sicherstellen, dass die Klimamassnahmen alle einbeziehen, und denjenigen, die es am meisten brauchen, die notwendige Klimafinanzierung zur Verfügung stellen.  

Während ich diese Zeilen schreibe, haben die Verhandlungsführer:innen die Gespräche verlängert, um zu versuchen, etwas Positives aus dieser wenig überzeugenden Konferenz herauszuholen. Fairtrade wird sie und ihre Regierungen weiterhin in die Pflicht nehmen, damit jeder Fortschritt, der in den COP-Ergebnissen erzielt wird, den Kleinbäuer:innen konkrete Vorteile bringt.
Die Kleinbäuer:innen und Arbeiter:innen der Welt sind bereit, willens und in der Lage, den Klimawandel dort zu bekämpfen, wo es am wichtigsten ist: beim Schutz ihrer Gemeinschaften, bei der Erhaltung ihrer Lebensgrundlagen und bei der Sicherung der Nahrungsmittelversorgung unseres Planeten. Dennoch bleibt die Frage: Sind unsere Politiker bereit, sie gewähren zu lassen? Diese Antwort ist auf der COP27 noch nicht gegeben worden. Und es ist eine Antwort, auf die wir immer noch warten. Die Uhr tickt

Sandra Uwera
Global CEO Fairtrade International